Unwissenheit oder sträfliche Ignoranz?

Hochwasser aller Orten.
Auch hier in Hamburg, nur nicht wirklich sondern über die Nachrichten. Wir haben nämlich Dämme – wegen der gelegentlich auftretenden Sturmfluten – die dieses Hochwasser, so schlimm es in Ost- und Süddeutschland sein mag, nicht mal kitzelt. Ganz abgesehen davon, dass es noch nicht hier ist. (unsere Pegelstände im Hafen sind derzeit etwa 10-20cm unter dem hiesigen Mittelwert für Ebbe und Flut.)

Nunja, wir haben also Hochwasser. Hohes Hochwasser. Wegen des starken Regens. Oh.Mein.Gott.

Hochwasser.
Wetter.
Klima.
Klimawandel.
Erderwärmung.

So oder ähnlich muss das Brainstorming in der Redaktion der Hamburger Morgenpost ausgesehen haben. Irgendein Aushilfsschreiberling musste dann einen Text dazu basteln. Wobei, möglicherweise hat auch einer der größeren Nachrichtenaggregatoren dazu was getextet, dass man eins zu eins übernommen hat.

Das Ergebnis findet sich unter dem tollen Titel „Wann gehen die Städte das nächste Mal unter?“ in der gedruckten Ausgabe der MoPo. Online gibt es dieses Glanzstück leider nicht zu bewundern.

Kommen wir zum Inhalt:
Meteorologen, nehmen an, dass es in Zukunft häufiger große Niederschlagsmengen geben wird – gut, mag angehen.
„Zwei Tendenzen zeichnen sich ab: Die Sommer werden trockener, dafür gibt es aber heftigere Unwetter. Die Winter werden wärmer und nasser. Dies ist besonders gefährlich, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen, folglich mehr Wasser transportieren kann – eine direkte Folge des Klimawandels und der Erderwärmung.“
Bei einem kurzen Seitenblick auf den Kalender sollte jedem klar sein, dass hier etwas nicht stimmen kann.
Wir haben Juni. Zugegeben, Anfang Juni. Dennoch war der 1. Juni meteorologische Sommeranfang. Sommer!
Im Sommer ist es per oben genannter Definition eher trocken. Ich möchte an dieser Stelle jedoch bezweifeln, dass unsere süddeutschen Freunde zuletzt über die extreme Trockenheit oder gar Hitze geklagt haben. Insbesondere letzteres wäre eine Vorraussetzung für Unwetter. Wenn es aber die ganze Zeit schon eiskalt ist und permanent regnet, wird es nicht zu den bekannten Sommer-Unwettern kommen. Infolge dessen, scheidet: „trockener Sommer, deswegen heftige Unwetter“ als Erklärung für die Hochwassersituation wohl aus.
Nunja, vielleicht war dem Praktikanten auch einfach so kalt, dass er annahm, die Überschwemmungen wären durch ein Winterhochwasser ausgelöst worden.
Eins steht jedenfalls fest: Diese „Begründung“ für das Hochwasser funktioniert einfach nicht.

Der Hauptgrund für die Überschwemmungen:
Der Hochwasserschutz.
Dieser wurde nach den letzten „Jahrhunderthochwassern“ weiterhin stiefmütterlich behandelt – in der Annahme, dass es ja nicht schon wieder eins geben könne. Tja, Irrtum. Es gibt weiterhin zu wenige Überflutungsgebiete, in denen sich das Wasser ausbreiten kann, geschaffen – was übrigens ein Experte gegen Ende des MoPo-Artikels auch noch anklingen lässt.

Es kann durchaus angehen, dass der Klimawandel bei der Sache eine Rolle gespielt hat. (In wie weit man den Klimawandel für das nasse Frühjahr verantwortlich machen kann oder für die für den Regen zuständige Großwetterlage, darüber mögen Experten in ihren Symposien debattieren.)

Aber der Klimawandel ist kein Joker.
Er ist nicht die Erklärung für alles.

Klima kann man in kleinem Rahmen nicht ändern. Hochwasserschutz schon.

2 Gedanken zu „Unwissenheit oder sträfliche Ignoranz?

  1. Naja – oder man lernt daraus – das wurde früher so gemacht. Das einstige Geesthacht liegt zu großen Teilen da, wo jetzt die Elbe entlang fließt. Nach einigen Überschwemmungen haben die Leute dann verstanden, dass man das Haus vielleicht nicht direkt neben den Fluss stellen sollte.

    Heute besitzen wir die Arroganz dies zu ignorieren. Es wird gebaggert und geschaufelt, gedämmt und Auslaufflächen geschaffen. So trotzt schon seit vielen Jahren die Niederlande Ihr Land der Nordsee ab. Und wir halten immer noch an den ganzen Altstädten an der Elbe am Rhein in Dresden, Passau etc. fest.

    Abtragen und auf einem Berg wieder aufbauen wenn es wertvoll ist – für Milliardenkosten Dämme aufzuschütten die dann bei einer „Jahrhundertflut“ die man so nicht hatte kommen sehen doch brechen kann doch nicht ernsthaft eine Lösung sein.

    Alternativ machen wir es so wie in den USA. Wir bauen nur noch Papphäuser – die fliegen gerne mal weg und fallen in sich zusammen –aber dafür kostet die Reparatur auch nicht so viel.

    Wer sich in Gefahr begibt, der kommt beizeiten darin um. Und wenn es nur der eigene Kontostand ist, der sich nach so etwas die Kugel gibt.

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