{"id":1535,"date":"2012-10-14T22:15:37","date_gmt":"2012-10-14T20:15:37","guid":{"rendered":"http:\/\/knoetchen.de\/?p=1535"},"modified":"2012-10-15T16:44:53","modified_gmt":"2012-10-15T14:44:53","slug":"stillen-ein-resumee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/knoetchen.de\/?p=1535","title":{"rendered":"Stillen. Ein Res\u00fcmee"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Stillens ist eine Geschichte voller Missverst\u00e4ndnisse.<br \/>\nBevor ich ein Kind hatte, dachte ich, Stillen sei ganz leicht. Baby zur Brust f\u00fchren, den Rest erledigt es selbst. Man kann es eben. Bilder von seelig dreinblickenden Mamis mit ihren satt und zufrieden schlafenden Babys pr\u00e4gten meine Gedankenwelt von und um das Thema. Auch konnte ich mir nie vorstellen, l\u00e4nger als sechs Monate zu stillen. V\u00f6llig klar, mit sechs Monaten nimmt das Kind dann die Flasche und bekommt Brei.<\/p>\n<p>Ich wurde eines Besseren belehrt.<\/p>\n<p>Stillen lernen war schwer. Es war schmerzhaft. Es war einfach hochgradig unangenehm. Wider Erwarten hat man die Technik eben nicht sofort drauf &#8211; weder als Mutter, noch als Baby. Stattdessen kneift das Kind einfach wild drauf los (Anmerkung: Schon beim ersten Anlegen im Krei\u00dfsaal hat mir Klein-Annika die ersten wunden Brustwarzen beschert *lol*) und saugt ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Ich selbst wusste kaum, wie man das Wurm korrekt anlegt. Theoretisch nat\u00fcrlich schon, aber praktisch ist die Welt eben anders. Hinzu kamen die eigenen und die von au\u00dfen induzierten Selbstzweifel, die nicht gerade f\u00fcr Entspannung sorgten. Gewichtszunahme und Co., DAS gro\u00dfe Thema bei uns in den ersten sechs bis sieben Monaten. Dann dieser st\u00e4ndige Druck, anwesend sein zu m\u00fcssen, da das Kind die Flasche einfach irgendwann komplett ablehnte. Naja. Dann hatte ich ja lange, lange Schwierigkeiten, im Liegen zu stillen, was meinen Nachtschlaf auf Monate kaputt gemacht hat. Obendrein noch die Features wie Milchstau, Stillstreiks, wunde bis offene Brustwarzen. Die Milchmenge ging zur\u00fcck, das Kind hatte Hunger, die Beikost bekam ihr aber auch noch nicht. Stillstress an allen Fronten. Hach, ja. Schwierige Zeit. Wirklich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIrgendwann klappte es dann doch wenigstens mit dem Essen. Mit der Beikost wurde einiges besser. Annika wurde ja Holter-die-Polter auf Milchbrei eingeschworen. Von heute auf morgen dreimal t\u00e4glich. Das f\u00fchrte endlich zu einer passablen Gewichtszunahme mitsamt der Tatsache, dass unsere Kleine zwischenzeitlich schon eine Art Babyspeck ansetzte (hielt aber nicht lang vor. Ein Wachstumsschub, weg war aller Speck und kam auch nie wieder) sowie dazu, dass Annika \u00fcberhaupt kein Interesse mehr an Muttis Milch hatte. Zumindest tags\u00fcber. Ich nahm das so hin, strich gelegentlich etwas Milch aus, damit ich keine Milchstaus\/Brustentz\u00fcndungen\/whatever entwickelte. F\u00fcr mich war das Thema durch.<\/p>\n<p>Ich hatte die Rechnung ohne meine Tochter gemacht, denn nachdem sie sich an der Beikost satt gefuttert hatte, kam Madame auf die Idee, dass Stillen ja irgendwie auch cool war und verlangte pl\u00f6tzlich wieder nach der Brust. Hm. Okay. Ich hatte zwar kaum noch Milch, aber das war ja nicht mehr so wichtig. Also wieder ran an die Brust, nahm ich ja an, dass es eh nur kurz sein w\u00fcrde, weil ja kaum mehr was da war. Aber die Geschichte des Stillens ist voller Missverst\u00e4ndnisse und eine Relaktation jederzeit m\u00f6glich \ud83d\ude09<br \/>\nAnnika legte es offenbar darauf an, mehr als je zuvor zu trinken. Wir stillten drei oder vier Wochen gef\u00fchlt am St\u00fcck. Wenn wir nicht stillten, dann trug ich Annika in der Manduca durch die Gegend, wodurch sie auch endlich (!) ruhiger wurde und mein ohnehin angeknackstes Nervenkost\u00fcm nicht nicht noch weiter belastete. In dieser Zeit lernte ich auch endlich, liegend zu stillen. Durch den ausgedehnten K\u00f6rperkontakt und das Stillen im Halbschlaf, kam ich auch endlich wieder zur Ruhe und konnte etwas entspannen.<\/p>\n<p>Was im Anschluss an diese schwere Zeit und die Zeit der Umstellung folgte, war etwa ein Jahr, dass an mein anf\u00e4ngliches Idealbild vom &#8222;gl\u00fccklichen Stillen&#8220; relativ nah heran kam. Wir stillten flei\u00dfig nach Bedarf, wir waren ein Team, Mama und Annika. \ud83d\ude42 Eine tolle Zeit. <\/p>\n<p>Aber nichts ist f\u00fcr die Ewigkeit und so habe ich im Fr\u00fchjahr begonnen, Annika daran zu gew\u00f6hnen, dass es nur noch zu Hause die Brust gibt, ausgenommen Ausnahmen. Das hat sie ganz gut mitgemacht, auf wenn ich dann zu Hause gleich erstmal eine halbe Stunde festgetackert irgendwo sa\u00df und das Kind gestillt habe. Aber man tut es ja gern. Mitte Juni kam dann die &#8222;Kita-Vorbereitung&#8220; und das Stillen wurde weiter eingeschr\u00e4nkt. Fortan gab es die Brust nur noch zum Einschlafen (und w\u00e4hrend diverser Selbsthilfe-Gruppen). Hier war schon etwas mehr \u00dcberredungskunst notwendig. Mit dem Kindergarten fiel dann auch das Stillen zum Mittagsschlaf naturgem\u00e4\u00df weg, so dass ich seit Ende August nur noch einmal am Tag und nachts nach Bedarf stillte &#8211; abgesehen von den Wochenenden, an denen ich auch zum Mittagsschlaf gestillt habe. Nachts daf\u00fcr dann nach Bedarf, das bedeutet irgendwas zwischen zwei- und zehnmal pro Nacht. Genau wei\u00df ich das nicht, denn ich stillte zwischenzeitlich auch komplett schlafend. <\/p>\n<p>Aufgrund des Entzuges der Stillhormone liefen dann doch noch die normalen Hormonprozesse des weiblichen K\u00f6rpers wieder an, so dass ich mich eines sch\u00f6nen Tages mit der Wiederherstellung meiner Reproduktionsf\u00e4higkeit konfrontiert sah. Das war wiederum keine \u00dcberraschung f\u00fcr mich, ich hatte den Braten schon einige Wochen zuvor angesichts einiger subtiler k\u00f6rperlicher Ver\u00e4nderungen meinerseits gewittert (NFP!) und mbH \u00fcber die zuk\u00fcnftige Notwendigkeit von Verh\u00fctungsmitteln aufgekl\u00e4rt. (Aber das ist ein anderes Thema)<\/p>\n<p>Trotzdem unser Stillen an und f\u00fcr sich gut lief, habe ich mir monatelang &#8211; schon vor der Kita-Eingew\u00f6hnung &#8211; den Kopf dar\u00fcber zerbrochen, wie man ein so gro\u00dfes Kind am elegantesten abstillt. Ich habe keine Lust auf Geschrei, will aber nicht ewig warten und am Ende noch in der gro\u00dfen Pause auf den Schulhof rennen, um mein 8j\u00e4hriges zu stillen. \ud83d\ude09 Die mir pers\u00f6nlich bekannten Langzeitstillm\u00fctter hatten nun aber alle auf radikale Art abgestillt. Abstillen m\u00fcssen, da sie erneut schwanger und die Br\u00fcste hormonbedingt wieder wesentlich empfindlicher waren. Das ist nicht mein Ziel, folglich hat diese Info auch keinen Mehrwert f\u00fcr mich. Also lie\u00df ich das ganze erst einmal so stehen und beschloss, irgendwann wieder dar\u00fcber nachzudenken.<\/p>\n<p>Nun scheint es jedoch, als w\u00fcrde mir die Nachdenkerei erspart bleiben. Ich habe, bzw. wir haben, mal wieder den Soor. Glaube ich. Dem Kind geht es gut, sie scheint keine Probleme zu haben. Aber meine Brustwarzen- Himmel! So richtig sicher bin ich mir nicht, denn daf\u00fcr heilt das Ganze zu schnell ab, sobal ich nicht mehr stille. Wir sprechen da von zwei bis drei Tagen konsequenten Nicht-Stillens und schon ist alles wieder h\u00fcbsch.  <\/p>\n<p>Nun steht es also so, dass wir wohl Abstillen. Ich sehe das ein wenig zwiegespalten. Eigentlich wollte ich ja warten, bis Annika das Startsignal gibt. Aber nun sehe ich es eigentlich nicht ein, wenn mein K\u00f6rper aus dem einen oder anderen Grund das Stillen nicht mehr vertr\u00e4gt und wieder mit wunden Brustwarzen etc. pp reagiert, mich zu diesem Zeitpunkt noch weiter durchs Stillen zu qu\u00e4len. Denn das wird im Moment wirklich sehr schnell sehr schmerzhaft. Denn Annika ist ja kein Baby mehr sondern ein gro\u00dfes Kind (das just heute anfing, mit einer Kinderschere das Schneiden zu \u00fcben o.O) und braucht das Stillen nun wirklich nicht mehr um jeden Preis.<\/p>\n<p>Also habe ich mit mittelgro\u00dfer Begeisterung beide Brustwarzen mit einem Polster aus Taschentuch und einer Lage Pflaster professionell &#8222;abgeklebt&#8220; (das sieht vielleicht lustig aus *rofl* ) und Annika erkl\u00e4rt, dass die krank seien und wir deshalb ohne Stillen schlafen m\u00fcssen. Das Abkleben dient dabei einerseits zum Unterstreichen des Tatbestands &#8222;krank&#8220; und andererseits wollte ich dringend verhindern, dass ich nachts im Schlaf stille. Letzteres hat n\u00e4mlich \u00fcberhaupt erst in diese Lage gebracht, in der wir uns befinden. Ich hatte mich auf langes Debattieren, eigentlich auch Weinen und Jammern, im Schlimmsten Fall auf das Erdulden eines Wutanfalls eingerichtet. Tja, was soll ich sagen. Sie hat es geschluckt. Einfach so. Das Einschlafen ging ganz diskussionsfrei von statten. Nachts musste ich sie zwei mal erinnern, dass das nicht ginge, woraufhin sie sich umdrehte, an mich ankuschelte und weiterschlief. Heute schon den zweiten Tag und inklusive(!) Mittagsschlaf. Okee. Dann lassen wir das jetzt so. <\/p>\n<p><strong>Fazit f\u00fcr mich: <\/strong><br \/>\nMal sehen, wie sich das die n\u00e4chsten Tage entwickelt. Aber wenn es so bleibt wie es ist, dann haben wir wohl n\u00e4chstens ein gro\u00dfes Thema weniger auf der Agenda und der n\u00e4chste Schritt in Richtung &#8222;allein einschlafen&#8220; ist gemacht.<br \/>\nEs war eine gute Entscheidung, den anf\u00e4nglichen Stillk(r)ampf durchzuziehen, denn der Gewinn war am Ende h\u00f6her als der Einsatz. Ich habe es zumindest nicht bereut, Annika so lange zu stillen. Ich bedaure es auch jetzt nicht, abzustillen, denn es ist nach meinem Empfinden der richtige Zeitpunkt. Ich bin gl\u00fccklich, dass sie es (bis jetzt) so gut mitmacht. Ich habe ein ganz tolles, gro\u00dfes und sehr verst\u00e4ndiges Kind.<br \/>\nIch w\u00fcrde es jederzeit wieder tun. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Stillens ist eine Geschichte voller Missverst\u00e4ndnisse. Bevor ich ein Kind hatte, dachte ich, Stillen sei ganz leicht. Baby zur Brust f\u00fchren, den Rest erledigt es selbst. Man kann es eben. Bilder von seelig dreinblickenden Mamis mit ihren satt und zufrieden schlafenden Babys pr\u00e4gten meine Gedankenwelt von und um das Thema. Auch konnte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,44,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1535"}],"collection":[{"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1535"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1541,"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1535\/revisions\/1541"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/knoetchen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}