{"id":1476,"date":"2012-09-27T11:01:32","date_gmt":"2012-09-27T09:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/knoetchen.de\/?p=1476"},"modified":"2012-09-27T15:49:47","modified_gmt":"2012-09-27T13:49:47","slug":"kleine-kartenkunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/knoetchen.de\/?p=1476","title":{"rendered":"Kleine Kartenkunde"},"content":{"rendered":"<p>Stellen wir uns f\u00fcr einen Moment vor, meine Firma w\u00e4re ein altdeutsches Skatblatt.<\/p>\n<p>In diesem Falle w\u00e4re ich eine Gr\u00fcn-Acht. Vielleicht auch eine Gr\u00fcn-Neun, denn der Unterschied zwischen Achten und Neunen ist lediglich die Verweildauer in der Firma.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall hat unser Herz-K\u00f6nig neulich eine Email an alle Herzen, Gr\u00fcnen und Eicheln geschickt und zum gro\u00dfen Kartentreff geladen.<\/p>\n<p>Nun waren wir Gr\u00fcnen Luschen uns einig, dass wir dieses Unterfangen gern gemeinschaftlich boykottieren wollten. In mitten einer lebhaften Diskussion platzte dann allerdings unser gr\u00fcner Unter und erkl\u00e4rte, dass diese Veranstaltung keineswegs freiwillig sei, sondern eben obligatorisch. Unter sticht Lusche! Murrend haben wir das dann so hingenommen.<br \/>\nDann, gestern Abend, dachte ich zun\u00e4chst, dass mein kleiner Joker zu Hause zieht und p\u00fcnktlich zum gro\u00dfen Tag krank wird. Zu meinem Gl\u00fcck und vielleicht auch zur Rettung meiner firmeninternen Reputation war sie aber heute Morgen wieder halbwegs kitafit. <\/p>\n<p>Nunja, heute also der gro\u00dfe Tag, der Tag des Kartentreffs. 11:30 sollte es losgehen, also hatte ich gestern noch mit einigen Herz-Luschen ein Date fix gemacht. So Kartentreffs sind ja immer auch gesamtgesellschaftliche Ereignisse, bei denen man die Inner-Company-Beziehungen zu anderen Abteilungen pflegen kann. 11 Uhr waren wir verabredet, und als ich dann langsam lostuckern wollt, kam der Unter (DER schon wieder!) und meinte, es sei noch viel zu fr\u00fch! Diesmal habe ich mich aber durchgesetzt (Null! Luschen sind Trumpf!) und bin einfach fr\u00fchzeitig los. Der Gewinn waren super Sitzpl\u00e4tze wohingegen etliche andere stehen mussten.<\/p>\n<p>Dann kam sie, die mit Spannung erwartete Rede des Herz-K\u00f6nig. Ich war vorgewarnt worden, dass es sich lediglich um eine \u00e4u\u00dferst langweilige Motivationsrede handeln w\u00fcrde. Allerdings kam es anders. Der Herzk\u00f6nig, geb\u00fcrtiger Amerikaner, sprach in sch\u00f6nem (obgleich von seinem Dialekt gepr\u00e4gten und dadurch zu Beginn eher schwer verst\u00e4ndlichen) Englisch und hielt  eine durchaus interessante Rede. Es ging um Risiken und Chancen und ich f\u00fcr meinen Teil bekam einen kleinen Einblick in seine Vision der zuk\u00fcnftigen Schifffahrtsindustrie. Nichts desto trotz war die Kernaussage nat\u00fcrlich: Es ist schwierig, es wird weiter schwieriger, das Gesch\u00e4ft geht am Stock. Wir machen Verluste. Es ist nicht zu erwarten, dass es kurzfristig zu einer Erholung kommt, seine fehlende Euphorie sagte mir, dass er auch mittelfristig nicht ernsthaft ein Ende der Krise erwartet, obgleich er davon sprach, dass man auf Besserung der Situation in etwa zwei Jahren hoffe. Hoffnung ist ein Wort, dem in letzter Zeit zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Insgesamt versuchen die Herren wohl, das Unternehmen f\u00fcr die weitere Zukunft aufzustellen. Die Zeiten, in denen wieder alles rosig ist. <\/p>\n<p>Leider wurden etliche der Herz-Luschen entt\u00e4uscht, die darauf hofften, aus dem Munde  des Herz-K\u00f6nig  zu vernehmen, dass ihre Arbeitspl\u00e4tze gesichert seien. Der Herz-K\u00f6nig, wie auch der danach sprechend Gr\u00fcn\/Eichel-K\u00f6nig lie\u00dfen nichts dergleichen verlauten. Es wurde lediglich erw\u00e4hnt, dass in naher Zukunft neue Gr\u00fcn- und Eichel-Luschen rekrutiert werden sollen. Wir weiten den Kopf aus, wie es der Gr\u00fcn-\/Eichel-K\u00f6nig gekonnt zusammenfasste. Ob das nun die richtige Richtung ist, wei\u00df man nicht, ich schlussfolgere jedoch, dass f\u00fcr einige Herz-Luschen der Abgesang begonnen hat, denn offenbar will man mehr auf Verwaltung denn auf Technik setzen. Ins gleiche Horn blie\u00df in einer Nachbesprechung im kleinen Kreis einer der Herz-und-Gr\u00fcn-Ober, denn er erw\u00e4hnte beil\u00e4ufig, dass unsere Herz-abteilung bei der Neuaquise von Dampfern zu teuer wird und es sich bei den derzeitigen Verhandlungen wohl eher um Verwaltung und Vercharterung gehe und weniger um technische Belange. Aha. \u00dcberhaupt war die intimere Anschlussveranstaltung wesentlich aufschlussreicher, was die harten Fakten anging. Nett vom Ober, dass er dazu extra vorbeikam. Schubi (so hei\u00dft er ) ist ohnehin einer meiner Lieblingsvorgesetzten. Neben HS (der ist zwischenzeitlich zum Eichel-Ober aufgestiegen) derjenige, f\u00fcr den ich am liebsten arbeiten w\u00fcrde hier im Haus. Man sollte dazu sagen. F\u00fcr HS w\u00fcrde ich bei mir genehmen Rahmenbedingungen durchaus auch meine Loyalit\u00e4t zu dieser Firma aufgeben und in eine andere wechseln. Von meinem Gr\u00fcn-Unter bin ich derzeit noch nicht so hundertprozentig \u00fcberzeugt. Denn der hat mich jetzt schon einige Male fies geschnitten, wenn auch unabsichtlich. Jedes Mal musste ich durch Eigeninitiative die wichtigen Sachen selbst geradebiegen und mich zu wirklich wichtigen Meetings nachtr\u00e4glich einladen lassen, damit die Infos nicht an mir vorbei gehen. Finde ich nicht gut, gar nicht gut. Manchmal m\u00f6chte man Unter und Ober ja gern in den Skat dr\u00fccken, was aber auch wieder nich gut ist, denn ohne sie gewinnt man die wenigsten Spiele. Wie auch immer, darum geht es ja nicht.<\/p>\n<p>Wo waren wir? Ahja, beim Kartentreff. Nach dem Herz-K\u00f6nig  sprach dann noch der Gr\u00fcn-K\u00f6nig. Ironischerweise fand ich seine Rede wenig begeisternd, was meine Luschen-Kollegen nun wieder ganz anders sehen. Seine Aussprache war deutlich die eines Nicht-Muttersprachlers, was ihn zwar einerseits verst\u00e4ndlicher machte, mich aber anderseits durch seinen niederl\u00e4ndischen Aktent verwirrte, nachdem ich mich gerade an das amerikanische Englisch seines Vorredners gew\u00f6hnt hatte. Au\u00dferdem fiel mir  auf, dass sein Englisch zwar flie\u00dfend, jedoch weit entfernt von perfekt ist. \u00dcberaschend. Er sprach jedenfalls von der unglaublichen Wichtigkeit der Gr\u00fcnen und Eicheln und dar\u00fcber, wie gut die Firma aufgestellt sei. Dar\u00fcber, dass wir Interesse bei Investoren geweckt h\u00e4tten, dass wir mit den Banken zusammenarbeiten und aus einem Topf von Schiffen, die nahe der Insolvenz sind und von den Banken weitergef\u00fchrt werden, jedes zweite zur Bearbeitung im Management (damit meinte er Fondsmanagement, Chartering und Buchhaltung bek\u00e4men. Hier mag , neben der unglaublichen Volatilit\u00e4t der Gr\u00fcnen-und-Eichel-Belegschaft auch die Ursache f\u00fcr die bereits angesprochene Neurekrutierung von Eicheln und Gr\u00fcnen liegen.<br \/>\nJoa soweit.<\/p>\n<p>Zur Motivationshebung von uns Gr\u00fcn- und Eichelluschen fand vorgestern ein gro\u00dfes Gelage in der neu ausgebauten Wohlf\u00fchllounge der K\u00f6nige statt. Einer der Eichel-Ober und sein kleiner K\u00f6nig hatten geladen. War lecker. Zur weiteren Steigerung des Wohlbefindens von uns Eicheln und Gr\u00fcnen gibt es in zwei Wochen eine \u00dcberraschungsausfahrt mit noch unbekanntem Ziel. Wie man sieht, die K\u00f6nige und ihre Untergebenen sind sehr besorgt um unser ihrer Luschen Wohlergehen \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen wir uns f\u00fcr einen Moment vor, meine Firma w\u00e4re ein altdeutsches Skatblatt. In diesem Falle w\u00e4re ich eine Gr\u00fcn-Acht. Vielleicht auch eine Gr\u00fcn-Neun, denn der Unterschied zwischen Achten und Neunen ist lediglich die Verweildauer in der Firma. 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